Rad am Ring.

Ja, das ist das 24h-Rennen auf dem Nürburgring. Nordschleife. Grüne Hölle.

Nein, ich bin das 24h-Rennen nicht mitgefahren. 🙂

Denn neben dem 24h-Rennen gibt es noch diverse andere Veranstaltungen: Zeitfahren, MTB-24h, Profirennen, MTB-Jedermannrennen, und auch Rennrad-Jedermannrennen, und da haben wir (Madame und ich) mitgemacht. Man hat die Wahl zwischen 1, 3 und 6 Runden (also knapp 25, 75 oder 150km). Wir haben uns für’s Erste mit 75km begnügt – wie sich später herausstellen soll, war das eine gute Entscheidung.

Wir wollten in der Zeit eh Urlaub in Koblenz machen, da Koblenz die Heimatstadt von Madame ist. Also haben wir uns noch schnell ein kleines Apartment in Quiddelbach gemietet (wer die Nordschleife kennt: Quiddelbacher Höhe führt quasi dran vorbei) und haben uns zum ersten Mal auf den Weg zum Nürburgring begeben.

Wer motorsportbegeistert ist wird den Mythos der Nordschleife kennen, und einige sind ja vielleicht auch schon mal mit dem Auto im Rahmen einer Touristenfahrt dort gewesen. Wenn man dann mit dem Rad in der Hand in der Boxengasse steht, das ist schon ein krasses Gefühl. Und es ist gefühlt auch kein Widerspruch, wenn man hier kettensurrend und schaltungsklackend entlangfährt, anstatt reifenquietschend und BOV-pfeifend.

Die Organisation von Rad am Ring ist sehr gut – die Rennstrecke ist sehr gut ausgeschildert, es gibt riesige, günstige Parkplätze, die Wege sind kurz, die Messe hat ein tolles Angebot und gute Preise, vom technischen Service bis zur Verpflegung ist alles geregelt. Einziger Wermutstropfen: Die Veranstaltung scheint in erster Linie auf die 24h-Fahrer ausgerichtet zu sein, als Jedermann-Teilnehmer geht man ein bisschen unter. Aber das ist alles managebar.

Der Start erfolgt mit allen Jedermann-Teilnehmern und den 24h-Fahrern gemeinsam, aber natürlich in mehreren Wellen. Die Strecke ist so weitläufig, dass es mir niemals überfüllt vorkam. Wie es natürlich vorne im dicksten Knäuel aussah, kann ich nicht genau sagen. 😉

Nach dem Start ging es über die Grand-Prix-Strecke und durch das Fahrerlager der 24h-Fahrer, die entlang der gesamten Grand-Prix-Strecke ihre Zelte aufgestellt haben. Die Stimmung ist grandios.

Die Strecke ist unglaublich schnell: Da ich ja eher im Triathlon-Umfeld als im Radsport-Umfeld unterwegs bin fahre ich praktisch ausschließlich Solo, ich bin beim gesamten Rad am Ring quasi nie in einer Gruppe (also auch ohne nennenswerten Windschatten) gefahren. Und trotzdem: Noch im Fahrerlager (nach gut 2km) zeigt der Tacho das erste mal über 50km/h! Nach 3,5km das erste Mal über 60km/h und nach 7km ist man bereits das erste Mal in der Fuchsröhre: Bei der Anmeldung zu der Veranstaltung muss man bestätigen, „dass man sich auf dem Rennrad auch bei hohen Geschwindigkeiten (über 80km/h) wohl fühlt“. Und das ist (leider) kein Witz: Ich habe hier (je nach messendem Gerät) Spitzengeschwindigkeiten von über 85km/h gehabt, und das ohne zu treten (kann man bei dem Tempo eh kaum noch), nicht im Unterlenker (Oberlenker und aufrecht sitzend erhöht die Bremswirkung) und auch nicht Chris-Froome-Style-mäßig auf dem Oberrohr sitzend (ja, es gibt genug Spinner die tatsächlich so abfahren). In der Fuchsröhre geht es glücklicherweise nur geradeaus, aber am Ende vom Kallenhard kommt eine ziemlich scharfe Rechtskurve: die muss man bei dem erreichten Tempo wirklich ganz außen anfahren, über den Scheitelpunkt ziehen und sich dann wieder komplett raustragen lassen – und da geht einem schon fast die Fahrbahnbreite aus. Scary. Und nebenbei: Einige Leute ballern in der Fuchsröhre mit bis knapp über 110km/h an einem vorbei. :-/

Ich habe dazu neulich einen Artikel gelesen, der eigentlich Mountainbiker-Weisheiten beinhaltet, aber passen tut es trotzdem:

Man soll es langsam angehen lassen. Zu schnell ist man zu schnell zu schnell.

Von den Veranstaltern wurde auch darauf hingewiesen, dass besonders Neulinge anfangs langsamer fahren sollen. Leider haben sich viele nicht daran gehalten… In der ersten Runde habe ich viele Unfälle und Stürze gesehen, alleine 3 mit Krankenwageneinsatz. Auch der Rettungshubschrauber hat während des Wochenendes mehrfach vom Gelände abgehoben – was da jeweils passiert ist, weiß ich allerdings nicht, und möchte ich auch nicht wissen. Übrigens: nach der ersten Runde habe ich persönlich keinen einzigen Unfall mehr gesehen…

Die Strecke ist ansonsten von der Qualität her fantastisch – es ist halt eine Rennstrecke. Und dann noch diese besondere Rennstrecke: Man fährt halt von einem bekannten Namen zum nächsten – Quiddelbacher Höhe, Flugplatz, Fuchsröhre, Bergwerk, Kesselchen, Karussell, Hohe Acht, Schwalbenschwanz, Döttinger Höhe – das ist schon ein Erlebnis.

Aber es war spannend, dass ich einige der Schilder erst in der letzten Runde gesehen habe. An welcher Stelle die Fuchsröhre ist kann man sich bei der Fahrt zwar leicht denken, aber das Schild habe ich erst bei der dritten Durchfahrt bemerkt. Um noch mal auf den Artikel mit den Mountainbiker-Weisheiten zurückzukommen (auch wenn dieses Zitat eigentlich in einem anderen Kontext verwendet wird):

Am Limit ist man zu sehr mit Überleben beschäftigt.

Und wenn man gerade beim Thema „Überleben“ ist:

Von Exmühle geht es gute 4,5km nur bergauf, und wenn man am Karussell denkt, man hat es geschafft, dann kommt die Hohe Acht – noch mal 500m mit bis zu 17% Steigung. Hier ist es nicht ungewöhnlich, dass bereits auf der ersten Runde diverse Teilnehmer ihre Räder den Berg hochschieben.

Insgesamt ist eine Runde etwas über 24km lang, hat insgesamt gute 600hm, wobei die eben beschriebene Teilstrecke schon 300hm hat – für einen Flachlandtiroler wie mich, der kaum nennenswerte Bergerfahrung hat, eine echte Herausforderung. Aber: Ich bin die gesamte Strecke durchgefahren, auch wenn’s weh getan hat, und ich musste nicht schieben. Zum Vergleich mal mein Gesichtsausdruck auf den Runden 1, 2 und 3… (man kann sich die Bilder auch in einem neuen Tab in voller Größe ansehen…)

Und jetzt kann man sich vielleicht denken, warum ich froh bin, dass es nur 3 Runden waren: Eine 4. Runde hätte ich nämlich vermutlich (fahrenderweise) nicht mehr geschafft…

Fazit:

Ein echtes Erlebnis! 73km, 1700hm, 3h08m57s, wobei die letzte Runde 13 Minuten langsamer war als die erste.

Aber: Das Rennen ist jetzt fast 2 Wochen her, und noch immer denke ich: „Auweia, zum Glück ist das gutgegangen.“. So beeindruckend das auch alles sein mag, ich glaube, mir war die Strecke einfach zu gefährlich. Ja klar, natürlich kann man ständig mit gezogener Bremse die Abfahrten machen, aber will man das? Bei der Serpentinenabfahrt auf der Ironman 70.3 Strecke in Alcudia vom Kloster Lluc ins Tal habe ich mich besser gefühlt – das waren zwar auch bis zu 8% Gefälle, aber das ist eine Bergstraße, da geht es seitlich den Abhang runter.

Komme ich zur letzten Weisheit aus dem Mountainbiker-Artikel:

Verschwindet das Lächeln bei der Fahrt, ist man entweder zu langsam oder zu schnell.

Um ehrlich zu sein: Ich habe bei der Fahrt nur wenig gelächelt, weder bergauf, noch bergab. :-/

Wenn ihr mich also jetzt fragt: Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich noch einmal bei Rad am Ring teilnehme (wobei das nicht an der Organisation der Veranstaltung liegt, sondern an mir! Ich habe hier vermutlich einfach mein persönliches Limit erreicht.). Was ich mir sehr wohl vorstellen könnte, wäre, an dem MTB-Rennen teilzunehmen. Aber noch einmal Nordschleife mit dem Rennrad? Hmm… Auf der anderen Seite: „Sag niemals nie…“.

Relive ‚Rad am Ring – 75km Nürburgring, 3x Nordschleife‘

Kategorien: BikeSport

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